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Ostern bei Familie Trautzsch

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Edeltraut Trautzsch saß in einem geräumigen Bus; genauer gesagt, im hinteren Teil der Stadtlinie. Sie war auf dem Weg nach Hause und atmete tief durch. Das Osterfest stand vor der Tür und in wenigen Tagen würde sie ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und die Enkel wiedersehen. Unsere rüstige Rentnerin hatte eine unruhige Zeit hinter sich, ihr Herbert lag mit Scharlach im Bett. Er hatte sich bei den Nachbarszwillingen Ada und Albert angesteckt. Dazu war auch noch das Auto kaputtgegangen. Helene, ihre hilfsbereite Nachbarin, hatte heute jedoch keine Zeit, Edeltraut in die Stadt zu fahren. Und deshalb flüsterte Edeltraut bei jedem geräuschvollen Öffnen und Schließen der Bustür beruhigend auf das kleine Fellknäuel in ihren Armen ein. "Pst, Gustel, alles gut, wir sind bald zu Hause" drangen die leisen Worte der Frau an das rechte Ohr des jungen Dackels, der heute vom Züchter abgeholt und in sein neues Zuhause mitgenommen wurde. Anfangs war er noch ganz aufgeregt, als ihn im Bus behe...

Der Mann, der stets alleine reiste

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Eugen Hartling nahm den Hörer in die Hand und brummte mürrisch seinen Namen in das Telefon, nachdem er zuvor, mit einem strengen Blick über die Zeitung, seine Frau gefragt hatte, warum diese das Telefon so lange hatte klingeln lassen. Wenn Herr Hartling von der Arbeit nach Hause kam, liebte er es, auf seinem Sessel zu sitzen und in der Tageszeitung zu versinken. Und jede Störung war für Frau Hartling ein Minuspunkt am Ende des Tages. Er arbeitete als Abteilungsleiter bei der Stadtverwaltung und war es gewohnt, dass sich auch dort alles nach ihm richtete. Frau Hartling kannte seine Sekretärin und wusste daher, dass ihr Mann keine Fehler duldete, nirgends. Die männliche Stimme am anderen Ende des Telefons war Eugen Hartling unbekannt und ließ ihn aufhorchen. * "Eugen Hartling", tönte es hart aus dem Hörer. Oh ja, diese Stimme hat etwas an sich, dachte der blonde Mann und lächelte. Dieses Mal hatte ihn seine Reise in eine Stadt nahe der dänischen Grenze geführt und er war in e...

Edeltraut Trautzsch's Hauptgewinn

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Es war kalter und nebliger Morgen,  als Helene ihre Nachbarin Edeltraut Trautzsch, deren Mann und zwei große Taschen zum Reisebus brachte. Die Kälte an diesem grauen Januarmorgen ließ alle drei frösteln. Helene war froh, als sie wieder in das warme Auto steigen konnte. Sie hupte, winkte und fuhr zurück nach Hause. Edeltraut Trautzsch hatte wenige Tage zuvor, wie jedes Jahr, von ihrem Ehemann ein Los geschenkt bekommen. Fast war es zu einer Tradition in der Familie geworden, wenn Frau Trautzsch am Neujahrsmorgen dann das Los ausrollte und lachend sagte: "Und wieder eine Niete!". Doch in diesem Jahr war es keine Niete sondern der Hauptgewinn - eine Busreise für zwei Personen in die Tiroler Berge. Und nun standen die Beiden zusammen mit mehreren anderen aufgeregten Rentnern an der Bushaltestelle. "Winterzauber in den Bergen" hieß das Motto dieser 7tägigen Reise.  Die feuchte Luft tat Herrn Trautzsch gar nicht gut, er bekam davon "so ein schlimmes Reißen in den Kn...

Ein unvergessliches Studientreffen

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  Der Weg, der vom Hotel hinauf zum Waldcafè "Hirschgarten" auf den Berg  führte, zog sich ungefähr 6 Kilometer durch den Thüringer Wald. Die inzwischen grauhaarigen Männer hatten in all den Jahren nie wirklich herausgefunden, wie lang der Weg tatsächlich war. Früher, als junge Studenten an der Universität, wanderten sie mit Flausen im Kopf - und später, auf ihren jährlichen Studientreffen, gab es unterwegs jede Menge zu erzählen. Doch seit Google jeden Ort auf der Welt ausfindig gemacht und jede Stecke ausgemessen hatte, wussten die Männer, dass exakt 6, 7 Kilometer vor ihnen lagen. So sagten zu diesem Treffen nur sieben Männer von den einst über 20 Studenten der Seminargruppe zu.  Mit den Jahren waren es immer weniger geworden. Ein paar Kommilitonen kamen einfach nicht, einige lebten inzwischen nicht mehr und manch einer war den Strapazen des Wanderns einfach nicht mehr gewachsen. Gerhard zum Beispiel, der mit Dieter als Schlusslicht der Gruppe lief, achtete heute sehr...

Das dritte Weihnachtspaket 🎁🎄🕯🕯🕯

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Für diese kleine Adventsgeschichte müssen wir ein paar Wochen im Kalender zurückblättern. Sie beginnt am 29. Oktober - an dem Tag, als Herr Breitbein seinen 75. Geburtstag feierte. Es kamen viele Gratulanten. Nachbarn, Freunde, die Familie, ehemalige Kollegen aus der Schule und sogar ehemalige Schüler. Sie alle fragten ihn, ob er auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit im Hof der Heimatstube mit dem kleinen Museum seinen Weihnachtsmarkt aufbauen würde. Sie  schwärmten vom letzten Jahr, als Herr Breitbein sich seinen Traum von einem kleinen Weihnachtsmarkt erfüllt und alle bei den Vorbereitungen mitgeholfen hatten. Sogar der Kindergarten war gekommen und hatte auf der schmalen Bühne ein Programm aufgeführt. Frau Müller-Schmidt, die Leiterin, hatte mit ihren Kolleginnen und all den großen und kleinen Zwergen Weihnachtslieder gesungen und die Kinder, die sich trauten, sagten kleine Gedichte auf. Höhepunkt war die Geschichte des Weihnachtsbaumständers, der an diesem Abend durch Zufall ...

Das zweite Weihnachtspaket 🎁🎄🕯🕯

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"Die Knie laufen links herum im Kreis und die Hüften laufen rechts herum!", ertönte es aus dem Sportraum der Rehaklinik "Sport frei an den Dünen". Die Stimme der motivierten Physiotherapeutin klang streng. Helenes Mutti stöhnte und fragte sich, ob diese Physiotherapeutin früher wohlmöglich Ringerin oder Sportlehrerin bei der Bundeswehr war. "Frau Hellmann nun schauen Sie doch einmal etwas freundlicher!", klang erneut die nüchterne Stimme. Frau Hellmann biss die Zähne zusammen und dachte an den Tag zurück, an dem sie auf dem Weg zu ihrer Tochter Helene vom Fahrrad gefallen war und sich bei dem Sturz den Bruch des rechten Oberschenkels zugezogen hatte. 'Ich habe weder Hüfte noch Knie und lächeln will ich schon gar nicht!', dachte sie. Einzig das Rauschen der Ostseewellen, das durch das angekippte Fenster zu hören war, ließ Frau Hellmann lächeln. Sie liebte diese beruhigende  Melodie, dieses gleichmäßige Rauschen. Früher war die Familie jeden Sommer ...

Das vierte Weihnachtspaket 🎄🎁🕯🕯🕯🕯

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  Dieses Weihnachtsgeschenk, welches für Helenes Schwester Valerie in der Toscana bestimmt war, hatte Helene rechtzeitig nach Italien geschickt. Doch gestern war ein Postbote bei Frau Trautzsch nebenan, um das Paket ungeöffnet und als unzustellbar an Helene zurückzugegeben. Irgendetwas stimmte wohl mit der Adresse nicht, vielleicht ein Zahlendreher in der Postleitzahl. Helene war traurig. Valerie wollte das erste Weihnachtsfest in ihrem neuen Zuhause und mit ihrem neuen Partner feiern; Valerie war gespannt auf die typischen Weihnachtstraditionen der Italiener. Helene konnte das zwar verstehen, vermisste ihre Schwester jedoch sehr. Noch nie hatten sie Weihnachten ohne einander verbracht. 'Meine Mama in der Reha, Papa bei ihr an der Ostsee und meine Schwester mit ihrer grande Amore im fernen Italien.', das waren Helenes Gedanken, als sie am 23. Dezember morgens erwachte. Ada und Albert schliefen noch, ihr Mann war voraussichtlich bis zum Abend im Büro und jegliche Vorfreude au...

Das erste Weihnachtspaket 🎁🎄🕯

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Edeltraut Trautzsch stand im Garten und rauchte heimlich eine Zigarette. Das tat sie nur selten - aber wenn, dann mit großer Freude. Alles war für das nahe Weihnachtsfest vorbereitet und Frau Trautzsch entspannte sich nun. Am schlimmsten war der Einkauf heute Vormittag - Himmel und Menschen waren unterwegs. Die Einen suchten letzte Geschenke und die Anderen hatten wohl Angst über Weihnachten zu verhungern und kauften deshalb den Supermarkt leer. Morgen würde Frau Trautzsch's Sohn mit seiner Familie kommen und für ein paar Tage bleiben. Sie lächelte bei dem Gedanken, dass das Haus in zwei Tagen wieder gefüllt sein würde. Als sie auf dem Weg ins Haus war, klingelte es am Hoftor. Es war der Postbote, der ein Paket unter dem Arm trug. Im letzten Sommer hatte dieser endlich begriffen, dass Edeltraut Trautzsch nicht "Edeltrautzsch" heisst. Und nach dem zweiten Eierlikör mit Edeltraut Trautzsch's Freundinnen im Garten, konnte er dann auch endlich ihren Vor- und Zunamen rich...
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Die vier unterschiedlich verpackten Weihnachtsgeschenke standen unter dem noch ungeschmückten  Weihnachtsbaum. Im Wohnzimmer roch es nun nach Wald und vereinzelt knackten einige Tannenzapfen.  Bald würde die Tanne festlich geschmückt sein und die Zwillinge Ada und Albert  eifrig dabei helfen.  Dann würden auch die roten  Wachskerzen brennen und die Glocken der kleinen Dorfkirche die Weihnachtsnacht einläuten. Vielleicht schneit es gar in dieser Weihnachtsnacht, dachte Helene. Ein friedlicher Wunsch vieler Menschen, ob groß oder klein. Ein leises und friedliches Weiß am Weihnachtsabend, das für kurze Zeit manche sichtbare oder unsichtbare Wunde bedecken würde. Das erste Paket war in rotem Papier mit  Weihnachtsmotiven eingeschlagen. Auf dem Kärtchen stand:  Frau Trautzsch. Edeltraut Trautzsch war die rüstige Rentnerin von nebenan, deren Mann so sehr schnarchte, dass Helene und ihre Familie das Schnarchen bis in ihr Wohnzimmer hörten. Außerdem hütete Fr...

Eine Apfelgeschichte für Groß und Klein

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An einem sonnigen Tag im September saß Frau Trautzsch in ihrem Garten und freute sich darauf, einen Kuchen für das Wochenende zu backen. Nach diesem Rezept hatte schon deren Großmutter ihre leckeren Apfelkuchen gebacken. Dieser hatte stets einen weichen Teig wie Watte, war aromatisch von den Äpfeln und süß von den Rosinen und Nüssen darin. Vor ihr stand eine weiße Emaille Schüssel mit einem dunkelblauen Rand. In dieser lagen viele rotbäckige Äpfel, die sie am Morgen gepflückt hatte. Während Frau Trautzsch das Küchenmesser ansetzte, schnurpste sich Karli, ein weißlicher Wurm, durch einen der rotbäckigen Äpfel. Er blinzelte, als es um ihn herum hell wurde. Knapp neben ihm glitt das Küchenmesser durch das Kerngehäuse. Frau Trautzsch legte ihr kleines Messer zur Seite und schaute auf das Innere des Apfels. "Hallo, kleiner Freund. Du nascht mir doch wohl nicht meine ganzen Äpfel weg!", sagte sie lachend. Frau Trautzsch führte nämlich sehr gern Selbstgespräche. Man kann sich wahr...

Zwischen Mondlicht und Sonnenaufgang

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Während Matteo in dieser Nacht seinen letzten Dienst für diese Woche im Rettungswagen fuhr, hörte auf der Entbindungsstation eine junge Frau den ersten Schrei ihres Babys, nachdem sie stundenlang in den Wehen gelegen hatte. Und zur gleichen Zeit, in dem Pflegeheim zwei Straßen weiter, direkt hinter den drei Pappeln, schloss ein alter Mann für immer seine Augen, er war müde von dem langen Leben, das hinter ihm lag. Ein Leben begann, ein anderes endete.  Im schwachen Licht der Straßenlaternen und der wenigen beleuchteten Fenster jener Wohnungen, in denen Menschen nicht schlafen konnten, ein Buch lasen, ihr Kind trösteten oder sich liebten, brachte Matteo nach einem Notruf den letzten Patienten seiner Schicht in die Herzklinik am anderen Ende der Stadt. Zwischen Mondlicht und Sonnenaufgang kann es leise und laut sein, dachte er. Matteo hatte zuvor lange im stationären Bereich gearbeitet. Jedoch war das Klima im Krankenhaus mit den Jahren immer anstrengender geworden. Was ihn am meist...

Das geheimnisvolle Silberblatt

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  Die Frau, die gern in diesem Garten vor sich hin werkelte, hatte die Pflanze irgendwann durch Zufall entdeckt. Diese Pflanze war anders als alle anderen. Im Frühjahr wuchs sie zügig heran, blühte aber nur kurze Zeit lila. Dann veränderte sie sich rasch, wurde braun und trocknete aus. Die Pflanze hieß "Silberblatt". Auch die anderen Blumen im Garten sahen das Silberblatt und lachten über die unscheinbare Pflanze. Während deren   bunte Farben um die Wette strahlten, schauten sie verächtlich zum   braunen, fast vertrockneten Silberblatt. "Silberblatt, bist ganz matt!" riefen sie dann, machten eine lange Nase und amüsierten sich. Besonders laut lachten die lilafarbenen Ballonblumen, deren Blüten dann aufplatzten, die stolzen Rosen und die Glockenblumen, die leise im Wind klingelten. " Silberblatt, bist ganz matt! Silberblatt, bist ganz matt!". Die Frau schmunzelte dann und dachte bei sich, wie bald alle über das Silberblatt staunen würden. An einem Späts...

Eine Geschichte aus dem Stadtwald 🌳🌳

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Vor über 100 Jahren standen an einem Waldrand zwei junge Linden. Sie waren anfangs noch sehr zart und klein und standen weiter als ihnen lieb war voneinander entfernt. Mit den Jahren wuchsen sie, wurden stärker und bekamen immer kräftigere Stämme. So kam es, dass sie sich nacheinander sehnten, beieinander stehen wollten. Sie streckten ihre Äste zueinander aus, jedes Jahr etwas mehr aber sie kamen sich nicht näher. Der Wind pustete kräftig und die Äste schaukelten hin und her, gar weg voneinander. Die Linden weinten und streckten sich immer wieder zueinander hin. Die Menschen, die am Stadtrand ganz in der Nähe wohnten, hörten das Weinen und Jammern der beiden Linden. Und so ging die Geschichte der sich nacheinander sehnenden Linden von Generation zu Generation.  Eines Abends erzählte ein Vater seinen Zwillingen diese Geschichte. Jeden Sonntag erholte sich die Familie im nahen Stadtwald. Im Frühling strichen die Kinder über das weiche Moos, im warmen Sommer suchten sie dort Schatten,...