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Die Geschichte vom Glühwürmchen und dem kleinen Schmetterling

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I n einem Garten, in dem es grünte und blühte, flatterte ein Schmetterling von einer Blüte zur nächsten. Normalerweise saßen stets sehr viele Schmetterlinge auf den rosafarbenen Blütenrispen des Sommerflieders. Schmetterlinge sind Kinder der Sonne, muss man wissen. Die Sonnenstrahlen streicheln die zarten Flügel der Schmetterlinge. Wenn ein Schmetterling von einem Tautropfen nass geworden ist, trocknen ihn die warmen Sonnenstrahlen. Dann sitzen die Schmetterlinge mit ihren verschiedenfarbigen Flügeln ganz weit ausgebreitet und genießen die Wärme. Eines Abends, im weichen Licht der Abendsonne, flatterte ein Schmetterling daher und labte sich am Nektar einer Blütenrispe. Als er satt war und sich umschaute, fiel ihm auf, dass kein weiterer Schmetterling mit ihm umherflatterte. Es schien, als wäre er ganz allein. Das machte den Schmetterling traurig. Er flog von Rispe zu Rispe, von Strauch zu Strauch - doch nirgends waren seine Freunde zu finden. Bald wurde es dunkel. Einsam saß der kleine...

Eine Piemontgeschichte

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Als sich die ältere Dame das hellbraune Kleid, mit der feinen aufgestickten Spitze und den kleinen Perlen überstreifte und danach an sich glatt strich, zog sie den Bauch etwas ein. Sie lächelte zaghaft und straffte ihre Schultern. Fast hatte sie in all den vielen Jahrzehnten ihre mädchenhafte Figur behalten. Über 80 Jahre lang! Und heute war ihr 83. Geburtstag. Ihr Haar trug sie hochgesteckt, sie hatte sich immer dagegen gewehrt, es im Alter kürzer  schneiden zu lassen. Noch heute Morgen war Gaja durch die Reihen der Haselnussbäume gegangen, hatte hier und dort Stichproben genommen und die warme, würzig duftende Luft des Piemont eingeatmet. Sie liebte das dunkle Grün der Blätter an den  Haselnussbäumen und dazu im Kontrast die zarte blassgrüne Haut, die anfangs die wachsenden Nüsse umhüllte. Später dann das satte Braun, wenn die Haselnüsse reif waren - ja, das mochte Gaja sehr. Die Erdtöne und überhaupt die Erde hier. Hier war das Land ihrer Familie, der Haselnusshain. Und wei...

Was Lucas Cranach denken und seinem Freund Martin erzählen würde ...

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  Wenn der Geist von Lucas Cranach so manche Nacht durch die Malschule und die alte Druckerstube in der Wittenberger Altstadt schleicht, wandelt er dabei durch seine alten Gemäuer, die frisch saniert fast so aussehen, wie er sie einst selbst erlebt hat. Es riecht nach Farbe und die Pinsel stehen zum Trocknen am Fenster. Dann schaut er die Zeichnungen der Kinder an, rätselt was diese bedeuten. Viele Bilder hat er so manche Nacht gesehen, wenn Ruhe eingekehrt ist, seit er zwischen den Welten wandelt. Es sind ja auch rund 500 Jahre vergangen, seit er hier lebte, arbeitete und wirkte. So manchen Abend hat er im Hause von Martin Luther verbracht, mit ihm philosophiert, diskutiert, geträumt und gelacht - im Winter in dessen Haus, dem heute weltweit bekannten Lutherhaus und in den Sommermonaten im Garten, wo die Abendsonne über die Schlosskirche in den schönen Garten schien, unter den Apfelbaum, wo sie in dessen Schatten saßen. Dann bewirtete Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne und ...

Bruschetta und eine Italienische Angelegenheit

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  Die warme Mittagssonne flimmerte über der typisch hellbraunen Erde der Toscana, durchdrang die zartgrünen Olivenbäume und auch die Trauben des künftigen Vino Rosso wurden vom Licht der Sonne gewärmt. Maria-Rosa hielt sich die rechte Hand waagerecht über die Stirn, so konnte sie im grellen Sonnenlicht besser sehen. Ihr prüfender Blick glitt über die eingedeckten Tische im schattigen Garten der Trattoria, mitten im Herzen der Toscana. Alles war bereit für die ersten Mittagsgäste bevor sich diese dann zur "Ora di Riposo", der sogenannten Mittagsruhe, zurückziehen würden. Das Bestellbuch der Trattoria wurde zum Abend hin immer voller, dann würden Rosa und Federico von drei weiteren Angestellten unterstützt werden. Sie schloss die Augen, hielt ihr Gesicht kurz in die Sonne und atmete tief ein. Der Geruch des ringsum üppig wachsenden Rosmarins war ihr Lieblingsduft. Rechts neben der Trattoria, als natürliche Grenze zum Casa, welches sie mit ihrer Familie bewohnte, wuchs eine ...

Ein weihnachtlicher Ostergruß

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Edeltraut Trautzsch war an diesem Frühlingstag gut vorbereitet. Seit dem letzten Weihnachtsfest, und den noch länger zurückliegenden Ostertagen, erschien ihr nichts mehr unmöglich. Während sie betont langsam mit einem großen, braunen Holzlöffel ihren selbstgebrauten Eierlikör umrührte, schaute sie gedankenversunken aus dem Küchenfenster. Die Frühlingssonne spiegelte sich im Fenster und auch in der farblosen Glasschüssel, die vor ihr stand. Sie sah das besondere Windlicht, das am Weihnachtsmorgen gegen das zerbrochene Windlicht ausgetauscht an der Eingangstür gestanden hatte. Edeltraut naschte von ihrem Zeigefinger den fertigen Eierlikör. Sie schmunzelte, als sie an das letzte Osterfest dachte. Vor genau einem Jahr hatte auch der Osterhase von ihrem Eierlikör gekostet, dabei die Fläschchen in den Osterkörbchen geplündert  und war anschließend sturzbetrunken und laut gröhlend davongehoppelt. Morgen würde es wieder so weit sein, die Familie würde kommen und Edeltraut hatte noch aller...

Der Tod war allgegenwärtig

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Das rot-weiße Absperrband der Polizei flatterte im Wind, es sollte Unbefugte und Gaffer daran hindern, die Brücke zu betreten. Und doch würde die Kommissarin morgen früh erste Fotos in der Zeitung und in den sozialen Netzwerken sehen. Sie blickte sich um. Am Ufer des Flusses standen alte Bäume, deren kahle Äste durch die Scheinwerfer bizarre Schatten auf den Rasen und den betonierten Radweg warfen. Der Fluss unter ihr wirkte in der Nacht noch bedrohlicher, kleine Schaumkrönchen rauschten auf den Wellen unter der Brücke hindurch. Wind war aufgekommen. Die blonde Frau lächelte müde, ausgerechnet jetzt dachte sie daran, dass sie sich schon ihr ganzes Leben lang darüber wunderte, dass dieser Fluss bei Tag träge dahinzufließen schien und in der Nacht tiefer, schneller und unberechenbar wirkte. Sie versuchte sich eine Zigarette anzuzünden, doch das Feuerzeug ging bei diesem Wind immer wieder aus. Während sie die Zigarette zurück in die Schachtel steckte, schaute sie erneut in den Fluss, so, ...

Wo ist Toni Plane?

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Als das Paket auf Reisen ging, wurde es hektisch an einem kalten Wintermorgen zu vielen anderen grossen und kleinen Paketen in den ausgekühlten Transporter gelegt. Der Fahrer hatte es eilig. Er stellte den Kragen seiner warmen Jacke an, zog sich die Mütze über die Ohren und starte kurz darauf den Motor. Frierend rauchte er noch eine Zigarette und preschte kurz darauf über die Autobahn. Auf dem Pappkarton neben dem Paket war Werbung für einen Turbostaubsauger gedruckt. Daneben waren Winterstiefel für kleine Damenfüße in der Größe 37 und ein verspätetes Weihnachtsgeschenk mit einem Dinosaurier, sicher für ein Kind. Hinter das graue Regal war ein sensationeller Kochtopf gerutscht, dessen Anleitung versprach, dass man nach vier Wochen Benutzung auch vier Kilo Gewicht abnehmen würde. Noch weitere Pakete im Transporter warteten auf ihre neuen Besitzer, die plötzlich durcheinander rutschten, als der Fahrer an der Autobahnabfahrt bremsen musste. Er war in Gedanken schon im Feierabend, ab morg...

Weihnachtskriminalkomödie 2021

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Der Hund bellte seit Stunden. Das helle  Licht der Straßenlaterne schien unter dem alten Hoftor hindurch. Dort stand der schlanke Hund, der aufgeregt etwas Fremdes witterte; sein Atem verwandelte sich in der kalten Nachtluft in weiße Wolken. Alles schien weiß zu sein, dachte die Frau, die durch das inzwischen heisere Gebell aufgewacht war und aus dem Fenster schaute - das Mondlicht war weiß, der Schnee und das Licht der Straßenlaterne direkt vor dem Haus. Der große Nussbaum mit seinen kahlen Ästen wirkte beinahe bizarr und sein Schatten im Schnee schien kein Ende zu nehmen. Vom nahen See waberte dichter Nebel heran. Die sonst so taffe Frau spürte das ihr vertraute Gefühl, es war Angst. Schon als Kind mochte sie die Dunkelheit nicht.  Dagegen liebte sie die Stille der Natur, wenn diese von Schnee und Eis bedeckt war. Dann waren alle sie sonst umgebenden Geräusche leiser, fast wie gedämpft. Trotz der geschlossenen Schneedecke auf der Straße hörte sie das heranfahrende Auto. Je...

Die Geschichte vom Weihnachtsbaumständer Teil 4 - Weihnachten 2021

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Das alte Haus, welches dieses Museum beherbergte, war früher die kleine Dorfschule. Es gab damals nur einen Lehrer, Herrn Berthold Breitbein, einen großen beleibten Mann mit breiten Hosenträgern und einem Schnauzer wie einst Kaiser Wilhelm ihn trug, daher nannten ihn alle Schüler und die Eltern  heimlich "Lehrer Wilhelm der Erste". Er unterrichtete Rechnen, Lesen und Schreiben. Mehr gab es damals nicht. Auch sein Sohn Heinrich war einst Lehrer aber inzwischen Pensionär, von schlanker Gestalt und mit noch immer ebenmäßigen Gesichtszügen. Die breiten Hosenträger seines Vaters lagen neben einem alten Schreibpult und alten Schulbüchern im Museum. Herr Breitbein der Zweite hatte seit zwei Jahren die Idee, auf dem gepflasterten Hof des kleinen Museums einen noch kleineren Weihnachtsmarkt aufzubauen. Genau seit dem Tag, an dem Frau Breitbein von der Weihnachtsfeier des Karnevalvereins zurückkehrte und auf dem Gepäckträger unseren Weihnachtsbaumständer bei sich führte. Groß war die F...

Die Geschichte vom Weihnachtsbaumständer Teil 3 - Weihnachten 1990

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Im Keller des Neubaublockes fand der  Sohn eines Hausmeisters ein paar Tage später die Kisten und nahm diese an sich. Den Karton mit den roten Weihnachtsbaumkugeln behielt er selbst, hatte er doch unlängst mit seiner Freundin die erste eigene Wohnung im Block nebenan bezogen. Die bunte Holzkiste jedoch verstaute er im Kofferraum seines Wartburgs und fuhr zu seinen Eltern. Sein Vater öffnete neugierig die Holzkiste und verzog das Gesicht.  "Junge, was bringst du uns denn da?", brummte er. "Solch alten Kram hatten wir unser ganzes Leben lang!".  Seine Eltern hatten kein Interesse mehr an alten Dingen. In ihren Augen war die neue Zeit bunt, alles Alte musste weg. Einzig der Großvater schaute gedankenversunken auf unseren Weihnachtsbaumständer, nahm ihn aus der Kiste und drehte am Schlüssel. Als das Weihnachtslied erklang, lächelten sein Enkel und er. Danach ging der Großvater die Treppe hinauf und verstaute die Holzkiste auf dem Dachboden. Als die nächste Adventszeit n...

Die Geschichte vom Weihnachtsbaumständer Teil 2 - Weihnachten 1974

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"Du immer mit deinem altmodischen Kram!", blubberte der Mann vor sich hin, als er am Morgen des Heiligabend die Kiste mit den Weihnachtsbaumkugeln und eine bunte Holzkiste aus dem Keller in die vierte Etage des Neubaublockes geschleppt hatte. "Jetzt pass lieber auf und nörgel nicht rum", lachte die junge Frau, die sich jedes Jahr darauf freute, sich für das Schmücken des Weihnachtsbaumes Zeit lassen zu können. Sie stellte die Kiste auf einen Stuhl und nahm liebevoll jede einzelne rote Kugel in die Hand. Diese Weihnachtsbaumkugeln hatte sie von ihrer Mutter bekommen, als sie vor fünf Jahren selbst Mutter wurde. Zu dem Karton mit den Weihnachtsbaumkugeln gehörte die bunte Holzkiste, in der unser Weihnachtsbaumständer lag. Er war nicht mehr so glänzend wie vor 30 Jahren. Jedoch hatte er keinerlei Kratzer; die bunte Holzkiste hatte ihn über die Jahre hinweg geschützt. Am Abend erstrahlte der Weihnachtsbaum im Glanz der Kerzen, während er sich in unserem Weihnachtsbaumst...