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Die Rückkehr des Schwans

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Der Schwan war heute schon mehrere Runden über den Elbwiesen geflogen. Er war erschöpft und konnte das ruhige Wasser nicht finden. Jenes Wasser des alten Elbarms, an dessem Ufer er letztes Jahr aus seinem Ei geschlüpft war. In dem Nest befanden sich mehrere Eier und aus ihnen waren mit dem Schwan noch vier weitere kleine Schwäne geschlüpft.  Der alte Elbarm war früher mit der Elbe verbunden. Im Laufe der Jahre jedoch war ein separates Gewässer aus ihm geworden. Am Ufer des Elbarms wuchsen u.a. viele knorrige Kopfweiden, starke Eichen, große Pappeln, hohes Schilf und verschieden hohe Büsche. Das Nest der Schwanenfamilie lag daher vor Feinden, wie Greifvögeln oder Füchsen, geschützt im Dickicht des Ufers. Eine stille Harmonie lag zu jeder Jahreszeit über dem Elbarm im Auenland. Im Frühjahr erfreuten sich die Spaziergänger am ersten Grün. Im Sommer spendeten die Pappeln, Eichen und Kopfweiden Schatten und eine wunderbare Ruhe. Manchmal im Herbst, we...

Elenas tiefer Schlaf

PROLOG Die alles vernichtenden Flammen fraßen sich vom Wohnzimmer durch das Treppenhaus ins Obergeschoss. Die Hitze war unerträglich. Sie spürte weder die sengende Glut noch die Schmerzen, die die Brandblasen auf ihrem linken Arm erzeugten. Sie sah nicht die angsterfüllten Augen im Gesicht des Mannes, der nicht wusste, wer sie tatsächlich war sondern der sie liebte. Denn wer sie tatsächlich war, wusste sie selbst nicht mehr. Die Pistole in ihrer Hand lag ganz ruhig. Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Es waren seine Worte, die sie innehalten ließen: "Hör auf, lass mich gehen", diesen Satz hatte sie schon einmal gehört. Vor langer Zeit, in einem anderen Leben. Teil 1 Dass Annette weder die schwarzen Haare vom Vater noch die kleine Stupsnase der Mutter geerbt hatte, wunderte nur die Menschen in ihrem Umfeld, sie selbst nicht. Sie liebte ihre Eltern und ihren jüngeren Bruder Thomas, der das Aussehen der Mutter und den wachen Verstand des Vaters geerbt hatte. Annette dag...

Die kleine Kaffeebohne

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Die kleine Kaffeebohne erblickte das Licht der Welt, nachdem die rauen Hände einer übergewichtigen aber herzhaft lachenden Kolumbianerin sie vorsichtig vom Zweig gelöst hatte. Die dunkelgrünen festen Blätter am Zweig standen im Kontrast zu den rötlichen Früchten, die die Kaffeebohnen noch umhüllten. An diesem Morgen lag aufsteigender Nebel im Hochland und über der Kaffeeplantage, durch den die Sonne zu dringen versuchte. Die Kaffeekirschen wurden dann gewaschen, die kleinen Bohnen getrocknet und zur Rösterei gefahren. Der kleinen Kaffeebohne war ganz wirr von der Fahrt auf der Ladefläche des LKW, der über die huckeligen Strassen des kolumbianischen Hochlandes fuhr. Der Duft der gerösteten Kaffeebohnen war schon von Weitem zu riechen. Die kleine Kaffeebohne genoss die Wärme während des Röstens und spürte eine Veränderung in sich. Sie wurde härter und dunkler und plumpste anschliessend mit vielen anderen Kaffeebohnen in einen sich grob anfühlenden Sack. Dort kam sie zur Ruhe u...

Ein Märchen für Erwachsene

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Es war einmal ein altes Haus mit einem wunderschönen alten Garten. Die Blumen in diesem Garten blühten in allen Farben. Zart, feingliedrig und leicht. Es waren alte Sorten, die jenen betörenden Duft hatten, den wir alle noch aus unserer Kindheit kennen. In dem alten Haus lebte ein Mädchen mit seinen Eltern. Das Mädchen wuchs wohlbehütet in dem kleinen Dorf auf. Am liebsten war sie in diesem duftenden Garten. Wenn abends die Sonne unterging, waren die Farben der Blumen in ein besonderes Licht getaucht. Aber auch am Morgen war das Mädchen gern dort. Dann glitzerte der Tau auf den grünen Blättern der Blumen und Büsche. Im Sommer, wenn die Tage heiß waren und auch die Nächte sich kaum abkühlten, saß das Mädchen mit einem Buch auf einer Decke unter dem alten Nussbaum. An einem Sonntagvormittag wurde das kleine Mädchen von den Eltern in die Küche gerufen. Die Mama stand mit verweinten Augen am Tisch und der Papa sprach ernst zu dem Mädchen. Sie wür...

Sommerduft des Südens

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Der erste Arbeitstag nach ihrem Urlaub war in der Firma lang und wollte nicht enden. Eine Sitzung folgte der nächsten und sie wusste, wenn sie noch all ihre Mails lesen und beantworten würde, wären Überstunden vorprogrammiert. Sie lehnte ihre Stirn gegen das kühle Glas des Fensters und schaute hinaus. Eine Frau, die mit einem kleinen Mädchen auf der Straße an ihrem Bürofenster vorbeilief, musste die Kleine festhalten, so sehr zerrte der Wind an den Beiden. Sie schloss ihre Augen. Es war sehr viel kühler, als in den drei Wochen zuvor. Als am ersten Urlaubstag der Flieger auf dem Flughafen aufsetzte, umgab sie eine Wärme, die ihr gut tat. So lange hatte sie auf eine Urlaubsreise verzichten müssen. Das kleine Hotel erreichte sie mit einem Bus. Die freundliche Besitzerin, mit der sie sich auf Englisch verständigen konnte, zeigte ihr ein Zimmer am Ende des Flures. Es ging nach hinten zum angrenzenden Garten hinaus. Sie öffnete die Fenster und die Fensterläden. Der ...

Jane's Ausritt im Morgennebel

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Tagelang hatte es geregnet, im Büro quoll das Posteingangsfach über und zusätzlich war Jane durch eine Erkältung davon abgehalten worden, einen Ausritt auf Victory durch die Natur zu machen. Sie hatte in den Mittagspausen dabei zugesehen, wie sich die Regentropfen am Bürofenster ihren Weg suchten, hinabrollten und sie hatte tapfer ihre Medikamente geschluckt. Heute jedoch war Sonntag. Der Tag war frei, unverplant und Jane fühlte sich wieder gesund. Gesund genug, um zu Hause im Stall, nach Victory zu schauen. Sie schlüpfte unter der Bettdecke hervor, schlich leise ins Bad und stellte sich unter die heiße Dusche. Der Spiegel war genauso beschlagen, als sie anschließend hineinschauen wollte, wie das große Badfenster. Sie wischte den Spiegel trocken, bürstete ihr langes schwarzes Haar und zog sich rasch an. Als Jane die Haustür öffnete, stellte sie fest, dass das Badfenster nicht von der heißen Dusche beschlagen war, sondern das Nebel die Sicht auf den Garten verhindert hatte. Leise...

Der Duft von Augustäpfeln - Teil 2

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Es ist wieder ein warmer Sommertag, als sie durch den Garten geht. Noch vor dem Fliederbusch nimmt sie den Duft der Augustäpfel wahr. Schwach hängen die Blätter an den Büschen ringsum und sie dreht den Wasserhahn auf. Kleine Tropfen schießen in alle Richtungen und erfrischen die Blätter. Auch auf den Blättern am Apfelbaum glänzen kurze Zeit später die Tropfen in der Abendsonne. Sie setzt sich auf die Gartenbank, schließt die Augen und atmet den aromatischen Duft der Augustäpfel ein. Sehr lange sind die Kindheitserinnerungen her, die sie damit verbindet, wenn sie heimlich im Garten der Großeltern die untersten Äpfel vom Baum gepflückt und gegessen hat. Zu Beginn der ersten Schulferien saß sie als kleines Mädchen im Linienbus, der hinaus aufs Land fuhr. Sie sah, wie die Stadt hinter ihr kleiner wurde und später staunte sie über die großen Felder. Die Straße wurde zu einer Allee mit großen, alten Bäumen und immer weiter ging die Fahrt. An einer Haltestelle, ...

Die Geschichte vom kleinen Wassertropfen

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Der kleine Wassertropfen dachte nach, wie weit seine Erinnerung zurückreichte. War es gestern oder heute? Es war dunkel und kalt, soviel wusste er noch. Und an ein Rauschen konnte er sich erinnern. Er spürte eine starke Bewegung. Schnell, schneller ging es vorwärts. Er drehte sich bis ihm schwindelig wurde und auf einmal war Licht um ihn herum. Mit einem Platsch landete er auf einem grünen Blatt. Alles fühlte sich nun anders an, neu. Der kleine Wassertropfen war jetzt allein auf sich gestellt. Und er genoss es. Er fühlte seine glatte Oberfläche und er bemerkte, dass er farblos war, durchsichtig. Das Geräusch des Rasensprengers nicht weit entfernt, ging gleichmäßig mit einem tack tack tack. Überall landeten weitere kleine Wassertropfen. Das Blatt unter ihm war nicht kalt und auch nicht warm. Aber es war glatt und so rollte der kleine Wassertropfen abwärts. Diesmal bewegte er sich ganz langsam und sacht vorwärts, er rollte bis zum Ende des Blattes. Die Spitze hing hinunter zur ...

Das kleine Buch vom Glück

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In einem kleinen Antiquariat packte an einem heißen Sommertag die Inhaberin eine Kiste mit neu erworbenen Büchern aus. Sie stellte ihre neuen Schätze in die Holzregale vor den hell gestrichenen Wänden. Die Räume waren sehr warm obwohl die Markisen auf halbe Höhe heruntergelassen waren. Im Sonnenlicht, das unter den Markisen in das kleine Antiquariat fiel, tanzten feine Staubkörnchen und die Luft roch und schmeckte nach altem Papier. Helene betrachte das kleine Buch in ihrer Hand. Sie fühlte den weichen flaschengrünen Samteinband des Buches und blätterte kurz hinein. Das Buch hieß "Das kleine Buch vom Glück" und in ihm waren wunderbare Kurzgeschichten niedergeschrieben, die sie innehalten ließen. Helene setzte sich auf die kleine Leiter, las Seite um Seite und vergaß die Zeit. Sie spürte nicht die Hitze und nicht die kleinen Schweißperlen in ihrem Nacken. Das lange rote Haar hatte sie zu einem lockeren Zopf zusammengebunden. Sie war in die Welt des Glücks eingedrungen ...

Henriettes Rosenliebe

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Das erste Mal, dass sie bewusst etwas fühlte, war an einem Sonntagmorgen. Es war noch still und alles fühlte sich anders an, neu. Die Dunkelheit um sie herum begann sich aufzulösen und Licht drang an die kleine, zarte Rosenknospe. Die dicken, grünen Außenblätter der Knospe schickten die kleine Rosenknospe hinaus ins Leben. Als sich die kleine Rosenknospe im hauchzarten Rosa dem warmen, sanften Sonnenlicht entgegenstreckte, vernahm sie Geräusche, denen sie vergnügt lauschte. Vögel zwitscherten, Bienen summten um sie herum und in der Ferne hörte sie einen Hund bellen. Die kleine Rosenknospe war sehr neugierig und konnte nicht genug bekommen, von all dem Schönen und Neuen, dass sie um sich herum entdeckte. Am Abend änderte sich das Licht und der Garten wirkte ganz anders in der Abendsonne - sanfter, leiser, friedlicher. Später lauschte sie dem Quaken der Frösche am Gartenteich. Auch dort sah sie Rosen. Aber diese schwammen in verschiedenen Farben auf der Wasserobe...