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Die Geschichte vom kleinen Feuerstein

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Wer sich schon einmal im Norden der Insel Rügen am Kap Arkona die Leuchttürme angeschaut und das Licht der Morgensonne bewundert hat, der kennt dort auch die Steilküste. Der Blick vom Rand der Steilküste über die Ostsee ist in den Morgen- und Abendstunden besonders atemberaubend. Eine lange Naturtreppe führt hinab zu den vielen großen und kleinen Steinen am Ufer. Dazwischen liegen Feuersteine und Hühnergötter. Manchmal finden Sammler verschieden große Donnerkeile und selten, besonders nach einem Sturm, auch kleine Bernsteine. Von dort stammt er, der kleine Held dieser Geschichte. Er lag dort schon viele hunderte Jahre, bevor ihn jemand aufhob, mit sich nahm und später, in einem nahen Ostseebad, auf den Rand des hölzernen Pflanzkübels eines Cafés legte und vergaß. Und genau dort fand ich ihn. Er lag auf dem Holzrand unter den Blättern eines Kirschlorbeers. Ich war bereits ein paar Schritte weitergegangen, da hielt ich plötzlich inne und drehte mich um. E...

Das Unwetter, ein altes Haus und die Elbe

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Es ist ein später Nachmittag Ende September, die Luft ist noch warm und ich fahre mit dem Fahrrad den ausgetrockneten und rissigen Weg zur Elbe. Er schlängelt sich quer über die Elbwiesen. Das dunkle Gelb der Wiesen, ein untrügliches Zeichen des nahenden Herbstes, leuchtet malerisch in der Sonne. Ich sehe die ersten Strohballen auf einem Feld liegen und seufze. Sie erinnern mich daran, dass der Sommer in seinen letzten Atemzügen liegt.  Achtlos lege ich mein Fahrrad am Elbufer in das Gras. Zuerst spüre ich den feinen Sand unter meinen Füßen und zwischen den Zehen. Er fühlt sich ganz weich an. Ein kleiner Marienkäfer krabbelt durch den Sand und ich beobachte ihn für einen Moment. Das kühle Wasser der Elbe umspielt meine Füße und ich schaue in den Himmel. Keine Wolke ist zu sehen. Himmelblau ist das wohl schönste Blau, denke ich und die Sonne wärmt mein Gesicht. Ich schließe meine Augen und atme tief  ein. Als ich einen Wiesenstrauß gepflückt habe und...

Die Rückkehr des Schwans

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Der Schwan war heute schon mehrere Runden über den Elbwiesen geflogen. Er war erschöpft und konnte das ruhige Wasser nicht finden. Jenes Wasser des alten Elbarms, an dessem Ufer er letztes Jahr aus seinem Ei geschlüpft war. In dem Nest befanden sich mehrere Eier und aus ihnen waren mit dem Schwan noch vier weitere kleine Schwäne geschlüpft.  Der alte Elbarm war früher mit der Elbe verbunden. Im Laufe der Jahre jedoch war ein separates Gewässer aus ihm geworden. Am Ufer des Elbarms wuchsen u.a. viele knorrige Kopfweiden, starke Eichen, große Pappeln, hohes Schilf und verschieden hohe Büsche. Das Nest der Schwanenfamilie lag daher vor Feinden, wie Greifvögeln oder Füchsen, geschützt im Dickicht des Ufers. Eine stille Harmonie lag zu jeder Jahreszeit über dem Elbarm im Auenland. Im Frühjahr erfreuten sich die Spaziergänger am ersten Grün. Im Sommer spendeten die Pappeln, Eichen und Kopfweiden Schatten und eine wunderbare Ruhe. Manchmal im Herbst, we...

Elenas tiefer Schlaf

PROLOG Die alles vernichtenden Flammen fraßen sich vom Wohnzimmer durch das Treppenhaus ins Obergeschoss. Die Hitze war unerträglich. Sie spürte weder die sengende Glut noch die Schmerzen, die die Brandblasen auf ihrem linken Arm erzeugten. Sie sah nicht die angsterfüllten Augen im Gesicht des Mannes, der nicht wusste, wer sie tatsächlich war sondern der sie liebte. Denn wer sie tatsächlich war, wusste sie selbst nicht mehr. Die Pistole in ihrer Hand lag ganz ruhig. Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Es waren seine Worte, die sie innehalten ließen: "Hör auf, lass mich gehen", diesen Satz hatte sie schon einmal gehört. Vor langer Zeit, in einem anderen Leben. Teil 1 Dass Annette weder die schwarzen Haare vom Vater noch die kleine Stupsnase der Mutter geerbt hatte, wunderte nur die Menschen in ihrem Umfeld, sie selbst nicht. Sie liebte ihre Eltern und ihren jüngeren Bruder Thomas, der das Aussehen der Mutter und den wachen Verstand des Vaters geerbt hatte. Annette dag...

Die kleine Kaffeebohne

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Die kleine Kaffeebohne erblickte das Licht der Welt, nachdem die rauen Hände einer übergewichtigen aber herzhaft lachenden Kolumbianerin sie vorsichtig vom Zweig gelöst hatte. Die dunkelgrünen festen Blätter am Zweig standen im Kontrast zu den rötlichen Früchten, die die Kaffeebohnen noch umhüllten. An diesem Morgen lag aufsteigender Nebel im Hochland und über der Kaffeeplantage, durch den die Sonne zu dringen versuchte. Die Kaffeekirschen wurden dann gewaschen, die kleinen Bohnen getrocknet und zur Rösterei gefahren. Der kleinen Kaffeebohne war ganz wirr von der Fahrt auf der Ladefläche des LKW, der über die huckeligen Strassen des kolumbianischen Hochlandes fuhr. Der Duft der gerösteten Kaffeebohnen war schon von Weitem zu riechen. Die kleine Kaffeebohne genoss die Wärme während des Röstens und spürte eine Veränderung in sich. Sie wurde härter und dunkler und plumpste anschliessend mit vielen anderen Kaffeebohnen in einen sich grob anfühlenden Sack. Dort kam sie zur Ruhe u...

Ein Märchen für Erwachsene

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Es war einmal ein altes Haus mit einem wunderschönen alten Garten. Die Blumen in diesem Garten blühten in allen Farben. Zart, feingliedrig und leicht. Es waren alte Sorten, die jenen betörenden Duft hatten, den wir alle noch aus unserer Kindheit kennen. In dem alten Haus lebte ein Mädchen mit seinen Eltern. Das Mädchen wuchs wohlbehütet in dem kleinen Dorf auf. Am liebsten war sie in diesem duftenden Garten. Wenn abends die Sonne unterging, waren die Farben der Blumen in ein besonderes Licht getaucht. Aber auch am Morgen war das Mädchen gern dort. Dann glitzerte der Tau auf den grünen Blättern der Blumen und Büsche. Im Sommer, wenn die Tage heiß waren und auch die Nächte sich kaum abkühlten, saß das Mädchen mit einem Buch auf einer Decke unter dem alten Nussbaum. An einem Sonntagvormittag wurde das kleine Mädchen von den Eltern in die Küche gerufen. Die Mama stand mit verweinten Augen am Tisch und der Papa sprach ernst zu dem Mädchen. Sie wür...

Sommerduft des Südens

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Der erste Arbeitstag nach ihrem Urlaub war in der Firma lang und wollte nicht enden. Eine Sitzung folgte der nächsten und sie wusste, wenn sie noch all ihre Mails lesen und beantworten würde, wären Überstunden vorprogrammiert. Sie lehnte ihre Stirn gegen das kühle Glas des Fensters und schaute hinaus. Eine Frau, die mit einem kleinen Mädchen auf der Straße an ihrem Bürofenster vorbeilief, musste die Kleine festhalten, so sehr zerrte der Wind an den Beiden. Sie schloss ihre Augen. Es war sehr viel kühler, als in den drei Wochen zuvor. Als am ersten Urlaubstag der Flieger auf dem Flughafen aufsetzte, umgab sie eine Wärme, die ihr gut tat. So lange hatte sie auf eine Urlaubsreise verzichten müssen. Das kleine Hotel erreichte sie mit einem Bus. Die freundliche Besitzerin, mit der sie sich auf Englisch verständigen konnte, zeigte ihr ein Zimmer am Ende des Flures. Es ging nach hinten zum angrenzenden Garten hinaus. Sie öffnete die Fenster und die Fensterläden. Der ...

Jane's Ausritt im Morgennebel

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Tagelang hatte es geregnet, im Büro quoll das Posteingangsfach über und zusätzlich war Jane durch eine Erkältung davon abgehalten worden, einen Ausritt auf Victory durch die Natur zu machen. Sie hatte in den Mittagspausen dabei zugesehen, wie sich die Regentropfen am Bürofenster ihren Weg suchten, hinabrollten und sie hatte tapfer ihre Medikamente geschluckt. Heute jedoch war Sonntag. Der Tag war frei, unverplant und Jane fühlte sich wieder gesund. Gesund genug, um zu Hause im Stall, nach Victory zu schauen. Sie schlüpfte unter der Bettdecke hervor, schlich leise ins Bad und stellte sich unter die heiße Dusche. Der Spiegel war genauso beschlagen, als sie anschließend hineinschauen wollte, wie das große Badfenster. Sie wischte den Spiegel trocken, bürstete ihr langes schwarzes Haar und zog sich rasch an. Als Jane die Haustür öffnete, stellte sie fest, dass das Badfenster nicht von der heißen Dusche beschlagen war, sondern das Nebel die Sicht auf den Garten verhindert hatte. Leise...