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Es werden Posts vom Dezember, 2025 angezeigt.

Eine Kreuzfahrt zu Weihnachten

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Der Weihnachtsmann hatte den ganzen Tag über Briefe von Kindern und sogar manch Erwachsenen gelesen. Ihre Wünsche waren genauso individuell, wie die kleinen und großen Menschen selbst. Von Spielzeug, Konzertkarten, Reisen und einem neuen Job  bis hin zu Frieden und Gesundheit war alles dabei. Die kleine Carla wünschte sich endlich ein richtiges Zuhause und ein Torsten sogar eine neue Frau. "Mann, Mann, Mann! In diesem Jahr gibt es aber viel zu tun!", sprach der Weihnachtsmann zu den Wichteln. Er nahm seine Brille ab und rieb sich müde die Augen. Dann griff er in den Postsack und zog den nächsten Brief heraus. Schon die Handschrift ließ ihn lächeln. "EDELTRAUT!", flüsterte er, öffnete vorsichtig den Umschlag und las ihren Brief. "So so, also irgendwo in Norwegen. Na gut. Bitte bring mir mal mein Weihnachtsfernrohr!", rief er einem Wichtel zu, der dem Weihnachtsmann am nächsten saß. Und einen weiteren Wichtel beauftragte er nach schwarzen Tanzschuhen in der ...

Das vierte Haus - Weihnachten 2025

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  Monika Borlinger hing ein Schild in das Fenster und schloss die Praxistür fest hinter sich zu. "Wir haben vom 22.12.25 bis 02.01.26 geschlossen und wünschen allen Patienten ein frohes Weihnachtsfest.", war darauf zu lesen. Ein langer Tag lag hinter Monika und Holger Borlinger. Ihre Gemeinschaftspraxis war bis zum Feierabend gut besucht. Ein kleiner Junge hatte sich beim Rodeln einen Zahn ausgeschlagen, eine ältere Dame ihren Zahnersatz verloren, drei Patienten kamen wegen akuter Zahnschmerzen und zwei weiteren war eingefallen, dass sie noch keinen Stempel im Bonusheft hatten und waren deshalb spontan noch zur Vorsorgeuntersuchung gekommen. Die beiden Zahnärzte waren froh, als sie ihre Gemeinschaftspraxis nun verlassen und mit dem Auto nach Hause fahren konnten. Die wohlverdienten Weihnachtsferien standen bevor.   Zu Hause schaute Monika noch einmal aus dem Fenster, bevor sie die Außenrollos herunterließ. So viel Schnee war schon lange nicht mehr gefallen. Sie hoffte, dass...

Das dritte Haus - Weihnachten 2025

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Lutz Latschkowski lag auf dem Sofa und hielt Mittagsschlaf. Seine Wangen blähten sich auf und fielen beim Ausatmen wieder in sich zusammen. Genauso wie seine Wangen, war auch sein Bauch aufgebläht, nur das dieser beim Ausatmen nicht weniger wurde. Als er aufwachte, rieb er sich die Augen. Plötzlich knackte es. Ein Knopf seines Hemdes riss ab und flog durch die Luft. Als der Knopf in der Obstschale landete, tönte ein blechernes Geräusch.   "So geht es nicht weiter, ich muss mehr für mich tun!", sprach er zu sich selbst und schob sich ein weiteres Weihnachtsplätzchen in den Mund, das so herrlich nach Butter und Haselnüssen schmeckte. Dann stand er auf, schlüpfte in seine Pantoffeln und schlurfte ins Bad. Der Zeiger der Waage zitterte und brauchte eine Weile, ehe er zum Stillstand kam. "Hm", seufzte er wieder, ging durch das Haus und öffnete die Kellertür.   Unter dem Wohnzimmer existierte ein anderes Reich - das des jungen Lutz Latschkowski. Als er den Lichtschalt...

Das zweite Haus - Weihnachten 2025

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  Die Postfrau zog fröstelnd ihre warme Mütze tiefer ins Gesicht und gähnte müde, als sie an diesem Samstagvormittag bei Werner Hilbert klingelte. "Ein Paket für Sie", rief sie vom Gartentor aus dem älteren Mann zu, der seine Haustür nur einen Spalt öffnete. Etwas neugierig war die Mittvierzigerin schon. Herr Hilbert bekam nie Pakete, auch keine Briefe oder Ansichtskarten mit Urlaubsgrüßen. Wenn überhaupt, dann steckte sie lediglich Rechnungen in seinen Briefkasten. Aber ein Mal im Jahr, immer zu Weihnachten, fischte sie auch für Werner Hilbert einen Brief aus der braunen Kiste, die neben ihr auf dem Beifahrersitz ihres Postautos stand. Die Stadtverwaltung hatte den ehemaligen Bürgermeister dieses Stadtteiles anscheinend nicht vergessen.   Auch manche Bewohner erinnerten sich noch gut an die Amtszeit von Herrn Hilbert, der nicht verhindern konnte, dass im Jahr 1992 die alte Mühle abgerissen wurde. Er war schon immer ein Einzelgänger gewesen und wurde im Alter immer mürrisch...

Die zerstrittenen Weihnachtsplätzchen

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Den ganzen Sonntag hatten Oscar und Lina mit ihrer Oma Weihnachtsplätzchen gebacken. Schon am Tag zuvor waren sie in den Supermarkt gefahren, um all die Zutaten einzukaufen. Heute Morgen war es dann so weit. Aus Butter, Zucker, Honig, Mehl, Mandeln, Nüssen, Eiern und verschiedenen Gewürzen entstanden mehrere Sorten Plätzchenteig, aus denen die Kinder mit den Förmchen Sterne, Weihnachtsmänner, Herzen und Engel ausstachen. Nach dem Backen kühlten die Plätzchen erst ab und wurden später hübsch verziert.  Als alle Weihnachtsplätzchen zum Trocknen auf den Blechen ruhten, wischte Oma Oscar und Lina die Mehlreste aus dem Gesicht und den Haaren, während sie dabei lächelte. Im ganzen Haus duftete es herrlich süß und der typische Geruch, mit dem die Weihnachtszeit beginnt, drang in alle Zimmer. Opa hatte jeweils von einer Sorte ein Plätzchen gekostet und zufrieden genickt. Am Abend, als es draußen dunkel war und alle in ihren Betten schliefen, ging es in der Küche los. "Mir ist warm!",...