Eine Kreuzfahrt zu Weihnachten
Der Weihnachtsmann hatte den ganzen Tag über Briefe von Kindern und sogar manch Erwachsenen gelesen. Ihre Wünsche waren genauso individuell, wie die kleinen und großen Menschen selbst. Von Spielzeug, Konzertkarten, Reisen und einem neuen Job bis hin zu Frieden und Gesundheit war alles dabei. Die kleine Carla wünschte sich endlich ein richtiges Zuhause und ein Torsten sogar eine neue Frau.
"Mann, Mann, Mann! In diesem Jahr gibt es aber viel zu tun!", sprach der Weihnachtsmann zu den Wichteln. Er nahm seine Brille ab und rieb sich müde die Augen. Dann griff er in den Postsack und zog den nächsten Brief heraus. Schon die Handschrift ließ ihn lächeln. "EDELTRAUT!", flüsterte er, öffnete vorsichtig den Umschlag und las ihren Brief. "So so, also irgendwo in Norwegen. Na gut. Bitte bring mir mal mein Weihnachtsfernrohr!", rief er einem Wichtel zu, der dem Weihnachtsmann am nächsten saß. Und einen weiteren Wichtel beauftragte er nach schwarzen Tanzschuhen in der Größe 38 zu suchen und diese hübsch zu verpacken.Zwei Wochen später war der Weihnachtsschlitten gepackt, die Rentiere gesund und kräftig, und der Weihnachtsmann winkte den Wichteln zum Abschied. Dann ging es los und er begab sich auf die Reise.
*
Zur gleichen Zeit erlebten Edeltraut und Herbert Trautzsch im hohen Norden ihre erste Kreuzfahrt, Edeltraut's Geburtstagsgeschenk. Jeden Morgen wachten sie im Hafen einer anderen schönen Stadt auf. Die Natur, der viele Schnee und die Berge hier im Norden waren einzigartig. Darin waren sich Edeltraut und Herbert Trautzsch einig.
Langweilig wurde ihnen auch abends nicht, irgendwo auf dem Schiff gab es immer ein Theaterstück, einen Kinofilm, Ballett sogar Minigolf, Fußpflege und Massagen. Nur an das große Schiff, an die vielen Menschen, konnten sie sich nicht gewöhnen. Herbert freute sich zwar jeden Tag über das zu einem Schwan gefaltete Handtuch auf dem Bett, wenn sie von ihren Ausflügen zurück in ihre Kabine kamen; aber Edeltraut entging nicht, dass sich ihr Herbert nach Ruhe sehnte. 'Vielleicht hätte ich seine Lieblingstrompete mit einpacken sollen, dann hätte er zu den Weihnachtsliedern mitspielen können, die zu jeder Tages- und Nachtzeit dezent aus den Lautsprechern dudeln", dachte sie.
Zur gleichen Zeit erlebten Edeltraut und Herbert Trautzsch im hohen Norden ihre erste Kreuzfahrt, Edeltraut's Geburtstagsgeschenk. Jeden Morgen wachten sie im Hafen einer anderen schönen Stadt auf. Die Natur, der viele Schnee und die Berge hier im Norden waren einzigartig. Darin waren sich Edeltraut und Herbert Trautzsch einig.
Langweilig wurde ihnen auch abends nicht, irgendwo auf dem Schiff gab es immer ein Theaterstück, einen Kinofilm, Ballett sogar Minigolf, Fußpflege und Massagen. Nur an das große Schiff, an die vielen Menschen, konnten sie sich nicht gewöhnen. Herbert freute sich zwar jeden Tag über das zu einem Schwan gefaltete Handtuch auf dem Bett, wenn sie von ihren Ausflügen zurück in ihre Kabine kamen; aber Edeltraut entging nicht, dass sich ihr Herbert nach Ruhe sehnte. 'Vielleicht hätte ich seine Lieblingstrompete mit einpacken sollen, dann hätte er zu den Weihnachtsliedern mitspielen können, die zu jeder Tages- und Nachtzeit dezent aus den Lautsprechern dudeln", dachte sie.
Dann erwischte ihn auch noch eine deftige Erkältung. Husten, Schnupfen und Fieber ergriffen Besitz von Herbert Trautzsch, der so röchelte, dass Edeltraut in der Nacht keinen Schlaf fand. Sie schlug resolut die Bettdecke zurück, zog sich ihren roten Morgenmantel über und machte sich auf die Suche nach der Apotheke auf dem Schiff, die ebenfalls Tag & Nacht geöffnet hatte, um ein Grippemittel für ihr Herbertchen zu kaufen. Der freundliche Apotheker gab ihr ein teures Medikament mit und versicherte Frau Trautzsch, dass ihr Mann am nächsten Tag wieder gesund sein würde Auf dem Rückweg fand Edeltraut jedoch die Kabine nicht mehr und irrte auf den Gängen des Decks umher. Sie fühlte sich schon selbst wie im Fiebertraum; an jeder Ecke stand ein anders buntgeschmückter, künstlicher Weihnachtsbaum - in Gelb, Rosa, Türkis oder Lila; an einem Baum hingen sogar regenbogenfarbene Weihnachtskugeln. Genauso bunt wie die Polarlichter am Himmel, die das Ehepaar Trautzsch noch am Abend zuvor bewundert hatte.
Edeltraut setzte sich in ihrem roten Morgenmantel erschöpft auf einen weichen Sessel und atmete tief ein und aus. Als ihr eine freundliche Stewardess entgegenkam, nahm sie deren Hilfe dankend an. Vor der Kabine fragte die junge Frau: "Heute ist Heiligabend. Sie kommen doch zum großen Kapitänsdinner?", doch Edeltraut bedankte sich lediglich für das Bringen und schloss schnell die Tür hinter sich. Mit den Worten: "Herbertchen, ich will nach Hause", reichte sie ihm eine grüne Kapsel aus der Medikamentenpackung und dazu ein Glas Wasser. Dann schlief sie ein.
Als Edeltraut am nächsten Morgen erwachte, schaute sie ungläubig auf ihren Wecker. Fast 10 Uhr und Herberts Bett war auch leer. Laut erklangen die Weihnachtslieder bis in ihre Kabine. Schnell stand sie auf. Doch als Edeltraut die Tür zum kleinen Badezimmer öffnete, stellte sie fest, dass die Stimme nicht aus den Lautsprechern vor der Kabine kam, sondern, dass es ihr Herbert war, der frisch und fröhlich "VOM HIMMEL HER KOMMET ...." sang.
"Edeltraut! Mir geht es wieder gut! Was machen wir heute? Schau mal hier auf dem Aushang. Es gibt einen Ausflug in eine Kleinstadt, das soll ganz toll sein.", begrüßte er seine Gattin. "Und zieh doch mal den roten Morgenmantel aus, jedes Mal denke ich, der Weihnachtsmann steht neben mir!". Edeltraut war sprachlos.
All das hatte der Weihnachtsmann durch sein Weihnachtsfernrohr beobachtet und nachdenklich seinen Kopf geschüttelt. Er schaute auf dem Routenplaner nach, wie und wann er den Zwischenstopp in Norwegen einfügen könnte.
Zwei Stunden später hielten unzählige Busse auf dem verschneiten Parkplatz am Rande der norwegischen Kleinstadt. Einer Demonstration ähnlich, bewegten sich all die vielen hundert Schaulustigen in Richtung des Marktes. Es roch bereits nach Glühwein und süßem Gebäck. Edeltraut, die noch schnell ihre warmen Handschuhe aufgesetzt hatte, blickte sich suchend nach Herbert um, doch der war schon weiter gegangen. Mit schnellen Schritten versuchte sie ihn einzuholen, als plötzlich auch noch ihr Absatz vom linken Stiefel abbrach. Edeltraut hüpfte auf einem Bein durch den Schnee in eine kleine Gasse und gleich in das erste Geschäft.
Mit einem "Pling" schloss sich die Tür hinter Edeltraut Trautzsch und sie fand sich einer Art Kunstcafè wieder. Leise Musik empfing sie, es gab Bücher, Kaffee und verschiedene Teesorten, kleine Törtchen und einen Drehständer mit wunderschönen Weihnachtskarten. Edeltraut lächelte. Hier gefiel es ihr! An einem Tischchen, ganz in der Nähe des dezent weihnachtlich dekorierten Fensters, sprachen leise zwei weitere Besucher miteinander. Edeltraut seufzte. Was für ein angenehmer Zufall, hier war sie richtig!
Frau Trautzsch klopfte sich den Schnee von den Schuhen, hängte ihren warmen Wintermantel an einen Haken und bestellte eine heiße Schokolade mit viel Sahne, ganz für sich alleine. Der Verkäufer, der bisher an der großen Kaffeemaschine hantiert hatte, drehte sich zu ihr um. "EDELTRAUT ", flüsterte er und lächelte. In seinem blau/brauen Rentierpullover sah er ganz anders aus als in seinem langen roten Mantel. Auch die großen schwarzen Stiefel fehlten; stattdessen trug er braune Wildlederschuhe.
"WEIHNACHTSMANN", flüsterte nun auch Edeltraut. "Wie schön dich zu sehen. Was machst du hier?", fragte sie und konnte den Mund vor Überraschung und Freude kaum schließen. "Ich habe ein Geschenk für dich. Und wir wollen doch auch unsere Tradition nicht brechen", sagte er und übergab der verblüfften Edeltraut einen wunderschön verpackten Karton. Während Edeltraut aus dem weichen Papier die schwarzen Tanzschuhe wickelte, legte der Weihnachtsmann eine ganz bestimmte CD ein.
Mit einem "Darf ich bitten?", nahm er ihre Hand. Dann tanzten der Weihnachtsmann und Edeltraut Trautzsch glücklich Wange an Wange den Tango, den sie vor wenigen Jahren zum ersten Mal in der gemütlichen Küche bei Familie Trautzsch getanzt hatten, und seither in jeder Weihnachtsnacht tanzten, wenn alle Geschenke vom Weihnachtsschlitten verteilt waren und Herbert Trautzsch schon längst schlief.
*
In einem waren sich Herbert und Edeltraut Trautzsch einig, als sie am 2. Januar im Heimathafen das Kreuzfahrtschiff verließen. Weihnachten war eben doch am schönsten zu Hause, im Kreis der Familie, mit ihren Kindern und Enkeln. Aber in einem konnte sich Edeltraut sicher sein: der Weihnachtsmann würde sie überall finden und mit ihr Tango tanzen, ganz gleich, wo sie das Weihnachtsfest verbringen würde.
In einem waren sich Herbert und Edeltraut Trautzsch einig, als sie am 2. Januar im Heimathafen das Kreuzfahrtschiff verließen. Weihnachten war eben doch am schönsten zu Hause, im Kreis der Familie, mit ihren Kindern und Enkeln. Aber in einem konnte sich Edeltraut sicher sein: der Weihnachtsmann würde sie überall finden und mit ihr Tango tanzen, ganz gleich, wo sie das Weihnachtsfest verbringen würde.
Ende



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