Ein anderes Leben
Michael Sonneberg, der von allen nur Maik genannt wurde, saß auf einer Bank und hielt sein Gesicht in die warme Spätsommersonne. Diesen Platz suchte er täglich in seiner Mittagspause auf, solange es das Wetter noch zuließ. Unter dem Kastanienbaum hatte der Mittvierziger einen guten Blick auf die Kunstgalerie gegenüber. Vielleicht würde er dort die interessante Künstlerin sehen, die ihm sehr gefiel und die in der Galerie ihre Kunstwerke malte und auch ausstellte - und, die gelegentlich seinen Waschsalon betrat, um ihre mit Farbspritzern bekleckerten Kittel zu waschen. Michael hatte an seinem 40. Geburtstag beschlossen, sein Leben in andere Bahnen zu lenken. Bisher war er von Montag bis Samstag jeden Morgen in das familiengeführte Autohaus Sonneberg & Söhne gefahren und erst am Abend nach Hause gekommen. Nun war sein Bruder Christian der alleinige Besitzer - unzufrieden, blass und stets müde, aber er änderte nichts daran. Es war Michael, der den Mut hatte, dem Autohaus den Rücken zuz...