Ein erster Schultag - ganz anders .....



Der Busfahrer setzte den Blinker und fuhr langsam auf der Straße um die rechte Kurve. Gleich würde Geschnatter und Lachen die Ruhe im Bus vertreiben, wenn die Schulkinder einsteigen würden. Es war ihr erster Schultag und sicher schlug allen ABC- Schützen vor Aufregung das Herz bis zum Hals.

Langsam näherte sich der Bus der Haltestelle. Andi, der Busfahrer, bremste und als der Bus anhielt, öffnete er die vordere Tür. Doch niemand stieg ein. Alle Kinder und ihre Eltern schauten auf ein besonderes Schulkind. Es hatte rotes Haar. Andi rieb sich die Augen und schaute nochmals ganz genau hin. Das war gar kein rotes Haar - und auch kein Kind! Das rote Fell gehörte einem jungen Fuchs, der mit seinem Schulranzen auf dem Rücken ebenfalls auf den Bus zu warten schien. Andi kratzte sich am Kopf, überlegte kurz und sagte dann freundlich: "Na dann, hereinspaziert. Aber bitte vergesst nicht, euch alle anzuschnallen".

 Neugierig betraten die Jungen, die Mädchen, und zum Schluss auch der kleine Fuchs, den Bus. Alle freuten sich und redeten durcheinander, wer wohl die größte Zuckertüte bekommen hatte und welche Kinder den gleichen Schulranzen trugen. Der kleine Fuchs aber saß ganz still auf seinem Platz und schaute aus dem Fenster. So weit weg von zu Hause war er noch nie gelaufen.

 Als der Bus erneut blinkte und kurz darauf anhielt, mussten alle Schulanfänger aussteigen. Die Kinder und der junge Fuchs warteten am Schultor auf die Klassenlehrerin; so war es ausgemacht.

Schon von weitem winkte Frau Müller und rief lachend: " Huhuuuuu!". Dann begrüßte sie die Jungen und Mädchen und zählte durch. "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf ... zwölf?" Dabei tippte sie mit ihrem Zeigefinger jeweils in die Luft.

 "Das verstehe ich nicht! Ich habe mich wohl verzählt. Also noch einmal. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf ... zwölf!" Wieder waren es zwölf Kinder, obwohl nur elf Kinder angemeldet waren. Frau Müller trat einen Schritt nach vorn, putzte mit einem sauberen Tuch ihre Brille und sah sich nun jedes Mädchen und jeden Jungen ganz genau an. Beim letzten vermeintlichen Kind stoppte sie und erkannte unseren kleinen Fuchs. "Ja, wer bist du denn? Du bist doch bestimmt bei uns falsch, junger Freund," sagte Frau Müller freundlich.

 "Guten Tag! Meine Mama hat gesagt, ich soll fleißig, schreiben, lesen und rechnen lernen, damit ich weiß, wieviel Hühner zwei plus zwei Hühner sind. Sie holt mich nachher von der Schule ab. Dann können Sie ja mit ihr sprechen, falls sie noch Fragen haben", antwortete der junge Fuchs höflich. Frau Müller hatte schon sehr viel als Lehrerin erlebt, aber einen Fuchs noch nie. "Na, dann komm mal mit. Das kriegen wir ganz bestimmt hin!“, sagte sie und tätschelte die Stirn des Fuchses.

 Und so kam es, dass in unserer Stadt der schlauste Fuchs der Welt lebte. Bald konnte er rechnen, schreiben und lesen.  Auch im Sportunterricht bekam er nur gute Noten. Einzig vom Musikunterricht, da wurde der kleine Fuchs befreit, weil er absolut nicht singen konnte und Frau Müller sich immer die Ohren zuhalten musste. Dabei konnte Frau Müller sooooo schön Klavier spielen.

 

Ende


PS: Allen ABC-Schützen einen glücklichen Schulstart. Nun wartet eine neue, aufregende Zeit auf euch.

Herzlichen Dank an Vivian für das herrliche Foto, das mich zu dieser Geschichte inspiriert hat. 

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